von Yasmina Lange und Carlotta Hofmann

Bild: Yasmina Lange und Carlotta Hofmann
Zwischen Personalausweisen, Strichlisten und Papierbergen wird Demokratie geschaffen: ob Landtag, Bundestag oder Kommunal, die Wahl ist eines der, wenn nicht sogar das wichtigste demokratische Ereignis. Doch bei Hochrechnungen der Ergebnisse, Wahlkämpfen und großen Reden wird dabei eine bestimmte Gruppe oft vergessen: die Wahlhelfenden.
Ohne Wahlhelfer*innen wäre Demokratie in der Form wie wir sie kennen gar nicht umsetzbar, alleine bei der kommenden Landtagswahl in Magdeburg werden 1902 Helfer*innen aus dem Landkreis gebraucht. Dieser großen und doch oft vergessenen Gruppe an Menschen wollen wir deswegen eine Bühne bieten.
Die Gesichter hinter den Wahllokalen – Wahlhelfer*innen im Portrait

Line ist politisch interessiert, geht ab und zu mal auf Demonstrationen und würde sich selbst politisch ,,links von der Mitte” einordnen. Sie war bisher ein Mal als Wahlhelferin aktiv, würde es aber durchaus nochmal machen, hat bei der Landtagswahl im September aber ”leider keine Zeit.” Line hat die Aufgabe als “super spannend” empfunden und würde auch Anderen nahelegen, es mal zu versuchen: “Wenn man in einer Demokratie lebt und eine Demokratie will, kann man sich auch dafür einbringen.”
Steckbrief: eigene Darstellung, erstellt mit ibisPaintX
Schon länger als Line ist Marik dabei, er ist seit 2019 regelmäßig als Wahlhelfer aktiv. Wo er persönlich sein Kreuz setzt, ist immer abhängig von der Wahl, einige Parteien, die ihm auf kommunaler Ebene zusagen, tun das auf Bundesebene eher weniger. Er selbst ist Mitglied bei ‘Die Partei’ und sagt: “Alles links der CDU ist so generell meine [politische] Heimat.” Wie Line hat auch er sich freiwillig gemeldet, als Schüler wurde er damals auch ein wenig von den 40 Euro Erfrischungsgeld motiviert, aber auch Neugier hat ihn angetrieben: “Vor allem das erste Mal war sehr spannend.”

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Auch Jakob ist ein langjähriger Wahlhelfer, schon mindestens drei Mal war der 30 Jährige mit dabei: “Ich wüsste jetzt auch gar nicht, welche Wahlen das alle waren.” Auch er ordnet sich politisch “links von der Mitte” ein. Seine erste Erfahrung als Wahlhelfer war allerdings alles andere als schön: “Drei oder vier Leute sind an dem Tag gar nicht gekommen, dann musste alles umgemodelt werden. Und dann wurde ich plötzlich Wahlvorsteher und musste irgendwie alles machen.” Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, sich wieder als Wahlhelfer zu melden, und auch zukünftig, möchte er weiterhin aktiv werden: “Ich bin gerne dabei. Ich unterstütze gerne die Stadt und kriege nochmal einen anderen Einblick in das Bevölkerungsbild des Stadtteils. Und ich lerne immer andere nette Leute kennen.”
Steckbrief: eigene Darstellung, erstellt mit XX
Was bedeutet „Wahlhelfer*in sein“ überhaupt?
Line hatte ihren Auftakt im Wahllokal als Beisitzerin, für Jakob gab es gleich zu Anfang als Wahlvorsteher einiges an Verantwortung zu stemmen und Marik war bisher nur bei Briefwahlvorständen aktiv. Aber was bedeuten diese ganzen Begriffe überhaupt, und vor allem: Was machen Wahlhelfer*innen eigentlich den ganzen Tag?
Insgesamt gibt es drei Zuständigkeitsbereiche: Wahlvorsteher*in, Schriftführer*in und Beisitzer*in, bei uns in Magdeburg gibt es für die Wahlvorstehenden und Schriftführenden Personen noch jeweils eine oder einen Stellvertreter*in.

Dr. Tim Hoppe ist seit 2010 als Amtsleiter tätig, seit 2020 ist er außerdem Gemeinde- und Kreiswahlleiter. Er kann die einzelnen Bereiche eindeutig zuordnen: “Der Wahlvorsteher ist der Kopf, er übernimmt letztendlich die Organisation an dem Tag.”
Bildquelle: Zukunftskongress Staat & Verwaltung, Wegweiser Media & Conferences GmbH. https://www.zukunftskongress.de/de/node/10041
Wahlvorsteher*innen eröffnen und beenden die Wahlhandlung und später die Stimmzählung und geben die Wahlergebnisse des Stimmbezirks an das Wahlamt bekannt. Sie kümmern sich um mögliche Probleme und Streitigkeiten und regeln die Pausenzeiten: „Niemand soll zehn Stunden im Wahllokal sein”, betont Hoppe.
Aber “ der Schriftführer ist genauso wichtig!” Sie führen das Wählerverzeichnis und bringen die Wahlniederschriften und Wahlunterlagen ins Rathaus.
Die Beisitzer*innen übernehmen eher “Hilfsaufgaben”, wie Hoppe erklärt. Sie übergeben die Stimmzettel, weisen die Wähler*innen ein und unterstützen hilfsbedürftige Personen beim Wählen. Letzteres natürlich unter Geheimhaltung der Stimmabgabe. “Ich habe letztendlich einfach eine Strichliste geführt. Vor Ort wird das alles ein bisschen aufgeteilt, mir gegenüber saß noch jemand, der die Leute eingewiesen und alles erklärt hat. Es waren jetzt keine super anspruchsvollen Aufgaben. Eigentlich ging es wirklich nur darum, dass jemand da ist und das Ganze betreut”, berichtet Line von ihrer Erfahrung als Beisitzerin.
Pro Wahllokal werden meistens sieben bis acht Wahlhelfer*innen gebraucht.
Die erste Schicht im Wahllokal startet schon früh. Um sieben Uhr treffen sich hier bereits die Wahlhelfer*innen um das Lokal entsprechend einzurichten: Wahlurnen werden aufgestellt, ein Sichtschutz aufgebaut und Wegweiser für die Wähler*innen aufgehängt. Um acht Uhr startet dann die Wahl. Zur Mittagszeit gibt es einen Schichtwechsel bevor sich gegen 18 Uhr wieder alle Wahlhelfer*innen im Wahllokal treffen und anfangen, die Stimmen auszuzählen

Bildquelle: Volksstimme, „Wer die AfD in Magdeburg schlagen konnte“, veröffentlicht am 24.02.2025, Foto: Peter Gercke
Etwas anders läuft der Tag für die Helfer*innen wie Marik ab, die sich um die Stimmen der Briefwahl kümmern: “Die treffen sich erst so gegen 13 oder 14 Uhr”, erklärt Hoppe. Dafür greift hier allerdings auch das Schichtsystem nicht. Das Auszählen der Stimmen startet aber auch bei der Briefwahl erst um 18 Uhr: “Wir dürfen erst mit dem Auszählen starten, wenn alle Wahllokale geschlossen haben”, erklärt Marik. Vorher müssen vor allem die Wahlunterlagen in den Briefen geprüft werden. “Du hast in dem Brief, wo der Wahlschein drin ist, und dann noch einen extra Umschlag mit dem Stimmzettel, weil es ja keine Identifikation der Stimmabgabe geben soll”, berichtet Hoppe “erstmal werden dann die Wahlscheine kontrolliert, ob sie vollständig, unterschrieben und gültig sind.”

Die Stimmzettel werden dann vorerst wieder in die Wahlurne geworfen und ab Schließung der Wahllokale ausgezählt: “Das eigentliche Auszählen füllt gefühlt nur 30 Prozent unseres Tages”, bestätigt Marik.
Bildquelle: Foto von Glenn Carstens-Peters auf Unsplash
Wahlhelfer*in können alle werden, die auch wahlberechtigt sind, also mindestens 18 Jahre alt sind und eine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Und das sind auch schon alle Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen: “Du musst nichts besonderes können oder mitbringen”, so Hoppe “und das ist auch gut so!”
Das passiert vor den Wahlen
Als Vorbereitung für die Wahl werden allen Helfer*innen Schulungsmaterialien zur Verfügung gestellt. Die sind in erster Linie für den Vorstand und die Schriftführer*innen wichtig, aber auch Beisitzer*innen dürfen sich die Schulungen vorher anschauen. “Das sind letztendlich nur Handlungsempfehlungen, jeder hat da seinen eigenen Weg, am Ende muss das Ergebnis stimmen.”
Die Schulungsmaterialien der Stadt Magdeburg sind passwortgeschützt und für die Allgemeinheit nicht öffentlich einsehbar. Auch unserer Redaktion wurde leider trotz mehrfachen Nachfragens keine Einsicht gewährt. Herr Dr. Hoppe erklärt die Situation folgendermaßen: “Wir arbeiten da wirklich hart dran, und das ist der Hauptgrund, warum wir gesagt haben, dass es nur an unsere Wahlhelfer geht.“ Er betont, dass es sich bei den Schulungsmaterialien nicht “um ein Battle” zwischen den einzelnen Städten handle, weswegen niemand anderes Zugriff zu den Unterlagen bekommen solle, aber, dass das Material schon “spezifisch für den Wahlvorstand” gedacht sei.
Neben den schriftlichen Unterlagen gibt es für die Magdeburger Wahlhelfer*innen auch Videomaterial, welches sie sich anschauen können: “Die meisten lesen sich das nicht durch, das ist zu trocken. Deswegen haben wir damals die Videos gemacht.“
Wahlhelfer Jakob hat Anfangs noch Präsenzschulungen besucht, die zu seinem Bedauern nun nicht mehr stattfinden: “An sich sind die Schulungen recht umfassend aufgebaut. Dadurch, dass es jetzt nicht in Präsenz ist, sondern halt online und mit Videomaterial alles vorgestellt wird, fehlt Stückweit manchmal die Möglichkeit, direkt etwas nachzufragen, um direkt ein Feedback zu bekommen.” Hoppe sieht zukünftig keine Möglichkeiten, die Schulungen wieder in Präsenz umzusetzen: : “Corona war der Gamechanger. Wir konnten diese Präsenzschulungen nicht mehr anbieten und haben es deswegen aufgezeichnet.” Ebenfalls betont er, dass die Stadt Magdeburg keine Räumlichkeiten habe, in denen eine Präsenzschulung durchführbar wäre. Außerdem würde er keine ausschlaggebenden Argumente sehen, die für eine Präsenzschulung sprechen würden: “Bei Frontalunterricht stellen vielleicht fünf Prozent der Leute eine Frage, wo ist da der Mehrwert?”
Und wer macht jetzt Demokratie?
“Meiner Meinung nach hast du wirklich eine gute Heterogenität in der Wahlhelfergemeinschaft”, findet der Gemeinde- und Kreiswahlleiter. Und tatsächlich beweisen die Daten aus Magdeburg zu den letzten zwei Bundestagswahlen (2021, 2025) und der letzten Landtagswahl (2021), dass aus jeder Altersgruppe immer mindestens 25 Personen vertreten waren.
Es ist allerdings ein eindeutiger Trend in der Altersverteilung zu erkennen, so sinken die Zahlen ab 65 und auch die 18-24 Jährigen sind weniger vertreten. Das Durchschnittsalter bewegt sich hier zwischen 43 und 46 Jahren. Diesen Eindruck bestätigt auch Marik: “Ich war beim ersten Mal mit Abstand der Jüngste. Die nächstältere Person war so Mitte Dreißig.”
Auch Hoppe erkennt das an: “Ich würde schon sagen, dass es eine Schrägverteilung hin zu älteren Wahlhelfern gibt. Aber wir haben auch immer wieder eine Erfrischung von jungen Wahlhelfern, dafür machen wir ja auch explizit Werbung an den Schulen.” Er erklärt sich die Entwicklung durch das “evolutionäre Altern” der Gesellschaft. Während Wahlhelfer*innen mindestens 18 Jahre alt sein müssen, gibt es nach Oben hin keine explizite Altersgrenze, Hoppe ist sich aber sicher, dass dies die Wahlen nicht negativ beeinflussen könne: “Wir haben Feedbackrunden mit den Wahlhelfern wo uns im Zweifelsfall auch gesagt werden würde, wenn eine Person jetzt vielleicht doch zu alt geworden ist.”
Auch in der Geschlechterverteilung gibt es eindeutige Tendenzen, wobei die Daten, die von dem Wahlamt Magdeburg erhoben wurden nur ‘männlich’ und ‘weiblich’ umfassen, Dunkelziffern von Personen, die sich eventuell nicht in diese beiden Kategorien einordnen würden, können somit in diesem Artikel leider nicht berücksichtigt werden.
Tendenziell melden sich mehr Frauen als Männer für das Amt. Wobei die Bundestagswahl 2021 hier ein wenig aus dem Muster fällt, in diesem Jahr waren knapp 90 mehr Männer als Frauen als Wahlhelfer aktiv. Die folgende Bundestagswahl 2025 steht hier im starken Kontrast: Hier übertrumpfen die weiblichen Wahlhelferinnen die Männer mit knapp 360 Personen. Und auch bei der Landtagswahl 2021 waren mehr Frauen als Männer aktiv. Hoppe erkennt bei der Geschlechterverteilung jedoch keinen eindeutigen Unterschied: “Wenn ich durch die Wahllokale fahre, was ich ja bei jeder Wahl mache, würde ich sagen, ist es total ausgeglichen”, er ergänzt aber: “tendenziell vielleicht ein paar mehr Frauen, aber es hält sich gut die Waage.”
Die Motivation hinter der Arbeit
Jakob hat sich beim ersten Mal vor allem aus Interesse als Wahlhelfer gemeldet: “Ich habe mich freiwillig gemeldet – hatte es mal gehört und gelesen, dass das möglich ist und mich ein bisschen dafür interessiert und wollte mal gucken, was man da so macht.”
Auch bei Marik war Neugier ein großer Motivator, ganz am Anfang war aber auch die Entschädigung noch ein großer Pluspunkt für ihn: “Da war ich noch Schüler. Damals haben mir die 40 Euro Erfrischungsgeld schon sehr zugesagt.”
Für Line war es vor allem wichtig, das Wahlamt und die Demokratie zu unterstützen: “Ich habe irgendwie immer mal wieder gehört, dass Wahlhelfer gesucht werden und sich zu wenig Leute melden. Ich dachte, irgendjemand muss es ja machen und ich habe Zeit! Ich selber möchte ja auch gerne wählen gehen, da braucht es nunmal diese Menschen.”
Es gibt also ganz verschiedene Gründe, wegen denen Leute Wahlhelfer*in werden, aber was motiviert die große Masse?
Zu dieser Frage konnte das Wahlamt in Magdeburg leider keine genaue Auskunft geben, in Bremen wurde aber genau zu dem Thema eine Umfrage gemacht.
In Bremen schließen sich die meisten Leute Line an: besonders wichtig scheint es Wahlhelfer*innen zu sein, ‘zu fairen Wahlen beizutragen’ und ‘das Wahlamt zu unterstützen’. Aber auch das ‘persönliche Interesse’ scheint die Menschen zu motivieren, wobei sich hier auch unsere drei Wahlhelfer*innen eindeutig der Mehrheit anschließen.
Jakob hilft immer wieder gerne bei den Wahlen mit, auch, weil er “immer andere nette Leute [kennenlernt].” Mit diesem Bewegungsgrund ist er zwar nicht ganz alleine, aber definitiv eher in der Minderheit: in Bremen reiht sich ‘Vernetzung mit anderen Wahlhelfenden’ auf dem letzten Platz ein.
Nur knapp davor taucht das Erfrischungsgeld auf, für die meisten Wahlhelfer*innen sind also andere Gründe eindeutig wichtiger.
Was kostet es, Demokratie zu organisieren?
Das Erfrischungsgeld ist eine Aufwandsentschädigung die den Wahlhelfer*innen für ihre Bemühungen ausgezahlt wird. Offiziell sind hier, laut der Bundeswahlleiterin, 35 Euro für den Wahlvorstand und den Wahlausschuss vorgesehen und 25 Euro für die übrigen Mitglieder.
Die tatsächliche Entscheidung, wie hoch die Entschädigung für die Wahlhelfer*innen am Ende sein soll, liegt allerdings bei den einzelnen Wahlämtern.
Hier variiert die Höhe des Erfrischungsgeldes nicht nur von Wahl zu Wahl, sondern auch von Stadt zu Stadt, alleine in Magdeburg und Umgebung sind hier eindeutige Unterschiede zu erkennen.
Für die Landtagswahl am 06. September bekommen der Wahlvorstand, die Schriftführer*innen sowie ihre Stellvertreter*innen 60 Euro, für die Beisitzer*innen gibt es 45 Euro. Für Personen, die wie Marik in Briefwahlvorständen helfen, gibt es jeweils fünf Euro weniger.
Bei der Entscheidung, wie hoch das Erfrischungsgeld sein soll, hat sich Magdeburg an anderen Praxisbeispielen orientiert, wie Dr. Tim Hoppe berichtet: “Wir haben damals eine Umfrage gemacht zwischen den einzelnen größeren Städten in Deutschland und haben dann dem Stadtrat einen Vorschlag gemacht.”
Weniger gibt es zum Beispiel für Wahlhelfer*innen in Merseburg. Hier bekommen Beisitzer*innen 25 Euro, der Wahlvorstand bekommt einen Zuschlag von weiteren 25 Euro, während deren Stellvertreter*innen und die Schriftführer*innen insgesamt 40 Euro bekommen.
Deutlich mehr als in Magdeburg gibt es ca 75 km entfernt in Halle. Hier gibt es eine grundlegende Pauschale von 70 Euro. Einen Zuschlag von weiteren 40 Euro gibt es für den Wahlvorstand. Der Zuschlag für den stellvertretenden Wahlvorstand und die Schriftführer*innen beträgt 30 Euro.
Magdeburg bewegt sich hier also eher im Mittelfeld, Hoppe sieht bei der Planung allerdings auch andere Bereiche, die seiner Meinung nach genauso wichtig wie die finanzielle Entschädigung seien: “Das muss eine Balance haben. Geld ist das eine, aber die Wahlhelfer müssen auch gut durch den Tag kommen. Da spielen auch andere Dinge wie Pausenzeiten eine Rolle.”
Die Möglichkeit, das Erfrischungsgeld zukünftig nochmal zu erhöhen, sieht der Amtsleiter aber durchaus: “Wir kommen dann ja bald ins Superwahljahr 2029. Und dann werden wir uns sicherlich auch wieder der Frage stellen, ob unser Erfrischungsgeld noch zeitgemäß ist. Natürlich unter Berücksichtigung der Haushaltslage in Magdeburg.”
Wirklich wichtig ist die Höhe des Erfrischungsgeldes aber ja anscheinend für wenige Wahlhelfer*innen, auch Line steht der Angelegenheit eher gleichgültig gegenüber: “Ehrlich gesagt ist es mir ein bisschen egal. Also natürlich ist das kein schöner Stundenlohn, aber ich bin da ja auch nicht wegen des Geldes hingegangen.” Und auch Marik schließt sich ihrer Meinung an: “Man sollte es schon machen, weil man Bock hat, die Demokratie zu unterstützen. Das Geld ist meiner Meinung nach nur ein schöner Bonus.” Jakob hingegen betrachtet die Lage etwas kritischer: “Im Prinzip sollte es schon ein bisschen höher angesetzt werden, da man nie genau weiß, wie lange das Auszählen wirklich dauert. gerade bei Kommunalwahlen dauert es lange”, aber auch der 30 Jährige betont: “Am Anfang war mit die Entschädigung noch wichtiger, mittlerweile ist es nicht mehr so relevant. Ich bin halt gerne dabei, unterstütze gerne die Stadt und kriege nochmal einen anderen Einblick.”
Es gibt nie genug Wahlhelfer*innen – stimmt das?
Als Line sich erstmals als Wahlhelferin gemeldet hat, hat sie das mit der Annahme getan, dass sich “zu wenig Leute melden” und immer “Wahlhelfer gesucht werden.” Ein Mythos, dem vielleicht einige glauben, der aber tatsächlich gar nicht stimmt, wie Hoppe erklärt: “Wir haben schon lange keine Probleme mehr [Wahlhelfer zu finden].”
Es sei ihnen sehr wichtig, den Wahltag so angenehm wie möglich für die Helfer*innen zu gestalten, so legen sie zum Beispiel Wert darauf “vor Ort in den einzelnen Wahlvorständen immer mehr Wahlhelfer zu haben, als eigentlich gebraucht werden, um es den Wahlhelfenden leichter zu machen.”
Und auch zukünftig hat er keine Sorgen, dass sich zu wenig Leute melden könnten: “Wenn du die Wahlhelfer gut behandelst, und das machen wir glaube ich, werden sie auch bereit sein, zukünftig weiter zu machen.”
Trotzdem möchte Hoppe immer wieder neue Leute motivieren, sich als Wahlhelfer*in zu melden: “Wahlhelfer sind ein wichtiger Bestand für die größte Demokratische Methode die wir haben. Es darf keiner vergessen, egal was wir für politische Schwingungen, Spannungen oder Entwicklungen haben, solange Wahlen da sind, können wir was ändern. Es geht dann darum, sagen zu können ‘ich bin ein Teil davon’. Das ist schon viel Wert.” Außerdem sei die Erfahrung einfach spannend: “Du bist einen Tag lang der Gesellschaft ausgesetzt.”
Dem stimmt auch Jakob zu, seine Sicht auf die Wahlen hat sich nach dem ersten Mal ein wenig verändert: “Du bekommst schon eine andere Sichtweise [auf die Wahlen]. Was da alles dahinter steckt, die ganze Organisation, und das Auszählen – wie viel Arbeit das doch ist. Die meisten Leute bekommen nur die Hochrechnung am Abend mit, oder wie das Stimmungsbild aktuell ist.”
Auch für Line war diese Erfahrung spannend, wenn auch nicht immer leicht. Sie war damals in Neu Olvenstedt in einem Wahllokal, da sie in diesem Stadtteil auch wohnt sei ihr vorher schon bewusst gewesen, dass “die AfD hier sehr präsent ist.” Trotzdem war das Auszählen am Abend eine Herausforderung für sie: “Es haben über 60% die AfD gewählt. Das war dann schon irgendwie frustrierend, wenn man gerade so einen demokratischen Vorgang begleitet und dann wählen alle so eine Partei, die nicht so super Demokratie freundlich ist. Das hat mich schon belastet, vor allem weil man ja eigentlich neutral sein soll, dann wollte ich beim Auszählen auch nicht so griesgrämig gucken.” Trotzdem wird auch Line sich wieder als Wahlhelferin melden und würde anderen empfehlen, es mal auszuprobieren.
Wie Jakob und Line wird sich auch Marik zukünftig weiter als Wahlhelfer engagieren, und auch er würde es Jedem nahelegen, es selber mal zu versuchen: “Macht es einfach – werdet Wahlhelfer. Es ist cool.”
Lust, Demokratie zu organisieren?
Auch für die kommende Landtagswahl am 06. September 2026 hat das Wahlamt schon genug Wahlhelfer*innen gefunden.
Falls du dich trotzdem freiwillig melden möchtest, gerade mit Blick auf die kommenden Wahlen, kannst du das gleich hier online bei der Stadt Magdeburg machen: https://www.magdeburg.de/Start/B%C3%BCrger-Stadt/Stadt/Wahlen/index.php?object=tx|37.10580.1
Bei Fragen, meldet euch gerne bei den Autorinnen!
Kontaktdaten Yasmina Lange: yasmina.lange@stud.h2.de
Kontaktdaten Carlotta Hofmann: carlotta.hofmann@stud.h2.de
Datenquellen
- Sachsen Anhalt die Landeswahlleiterin (o.D.): Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Wahl des 8. Landtags von Sachsen Anhalt am 06. Juni 2021, [online] https://wahlergebnisse.sachsen-anhalt.de/wahlen/lt21/erg/kreis/lt.15.ergtab.php [abgerufen am 28.07.2026]
- Die Bundeswahlleiterin (o.D.): Bundestagswahl 2021, [online] https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2021/ergebnisse/bund-99/land-15.html [abgerufen am 28.07.2026]
- Landeswahlleiterin (01. April 2026): Vorbereitung und Durchführung der Landtagswahl am 6. September 2026, [online] https://wahlen.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/wahlen/PDF/2026-04-01_Durchfuehrungserlass_Landtagswahl.pdf [abgerufen am 28.07.2026]
- Stadt Barntrup (o.D.): Aufgaben der Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, [online] https://www.barntrup.de/Seiten/Aufgaben-der-Wahlhelferinnen-und-Wahlhelfer.html [abgerufen am 28.07.2026]
- Ottostadt Magdeburg (o.D.): Das Wahlehrenamt – Fragen und Antworten, [online] https://www.magdeburg.de/PDF/Wahlehrenamt.PDF?ObjSvrID=37&ObjID=11276&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1768982284 [abgerufen am 28.07.2026]
- Halle Saale Händelstadt (o.D.): Satzung über die Entschädigung ehrenamtlich Tätiger bei Wahlen,
- Abstimmungen und Entscheiden (Erfrischungsgeldsatzung), [online] https://halle.de/fileadmin/Binaries/Verwaltung/Stadtpolitik_und_Ortsrecht/Satzungen_und_Verordnungen/GB_I_Finanzen_Personal/FB_Einwohnerwesen/SR_131-0_Erfrischungsgeldsatzung.pdf [abgerufen am 28.07.2026]
- Stadt Merseburg (o.D.): Satzung über die Entschädigung ehrenamtlich Tätiger bei Wahlen Abstimmungen und Entscheiden vom 02.12.2024, [online] https://www.merseburg.de/de/datei/anzeigen/id/142652,1055/ausgefertigte_erfrischungsgeldsatzung.pdf [abgerufen am 28.07.2026]
- Stadt Magdeburg (o.D.): Satzung über die Entschädigung Tätiger bei Wahlen und Entscheiden (Erfrischungsgeldsatzung) [online] https://www.magdeburg.de/PDF/Erfrischungsgeldsatzung.PDF?ObjSvrID=37&ObjID=18419&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1761115473 [abgerufen am 28.07.2026]
- Die Bundeswahlleiterin (o.D.): Erfrischungsgeld [online] https://bundeswahlleiterin.de/service/glossar/e/erfrischungsgeld.html [abgerufen am 28.07.2026]
- Interviews mit den drei Wahlhelfer*innen: Line Brümmer, Jakob Vogel und Marik Pechauf
- Interview mit dem Kreiswahlleiter Dr. Tim Hoppe
Wow, so gut geschrieben, sehr interessant!