Die Demografie von Nichtwähler:innen

von Helene Bonacker und Julia Nestmann

Bild wurde mit KI generiert

Es ist der 23. Februar 2025. Die Bundestagswahl in Deutschland steht an. Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Millionen Menschen geben ihre Stimme ab und entscheiden über die Zukunft des Landes.

Doch einer bleibt zu Hause. Nicht, weil er die Wahl vergessen hat. Auch nicht, weil er im Urlaub ist. Sondern weil er davon überzeugt ist, dass seine Stimme eh nichts verändert. Der 25-jährige Luis (Name auf Wunsch geändert) ist dabei kein Einzelfall.

Die Wahlbeteiligung von Menschen in ganz Deutschland

17,5% der Wahlberechtigten verzichteten bei der Bundestagswahl 2025 auf ihre Stimme. Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede.

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In Deutschland entschieden sich 17,5% der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2025 gegen die Stimmabgabe. Das entspricht fast jeder sechsten wahlberechtigten Person. Die Anteile an Nichtwähler:innen befinden sich in allen Bundesländern im Rahmen von 15,7% bis 22,3%. Heraus sticht dabei Sachsen-Anhalt mit dem höchsten Wert, wohingegen Bayern mit 84,3% die höchste Wahlbeteiligung zeigt. Um Faktoren herauszustellen, die das Wahlverhalten beeinflussen, legen wir den Fokus auf Sachsen-Anhalt. Auch Luis kommt von hier, aus der Landeshauptstadt Magdeburg und ist einer der Nichtwähler vergangenes Jahres.

Hinter diesen Zahlen stehen keine bloßen Statistiken, sondern ganz spezifische Lebensgeschichten. Die Wahlen sind mittlerweile längst vorbei und das Ergebnis steht fest. Doch eine Frage bleibt offen, denn es passiert jedes Jahr wieder:

“Ich habe das Gefühl, alle vier Jahre wird der Lokführer ausgetauscht und die Schienen sind schon lange gelegt, außerdem ändert meine Stimme eh nichts.”

Luis, 25

Aufgeteilt nach Frauen und Männern unter den Nichtwähler:innen ist die Verteilung der Gründe nicht wählen zu gehen prozentual kaum differenzierbar. Die Unzufriedenheit mit der Politik ist dabei der am häufigsten vertretene Grund. Auch Luis Gründe nicht wählen zu gehen sind in den Statistiken vertreten. Er hat weder eine passende Partei gefunden, wie es bei männlichen Nichtwählern auch zu 59% der Fall war, als auch denkt er wie 36% der Nichtwähler, dass seine Stimme keinen Einfluss auf die Politik hat. Weitere Gründe von Frauen und Männern, die nicht gewählt haben, sind laut Umfrageergebnissen unter anderem fehlendes Interesse an der Politik, die Bedeutungslosigkeit von Wahlen oder das Gefühl, nicht informiert zu sein.

Bei jungen Erwachsenen wie Luis, oder gerade bei noch jüngeren Erstwählern, sieht die Politik ihre Verantwortung, auf die Bedeutung des Wählens aufmerksam zu machen.

Was unternimmt die Politik?

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Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt zielt dabei “insbesondere mit Informationsportalen wie Wahl-O-Mat und Wahl.chatt sowie mit den Social-Media-Kampagnen” darauf ab, Erstwähler und Jungwähler über die Bedeutung der Wahl sowie die Positionen der einzelnen Parteien zu informieren.

Landeszentrale für politische Bildung

Matthias Stübig, leitender Regierungsdirektor, stellt dabei stellvertretend heraus, dass die Landeszentrale “parteipolitisch neutral [ist], jedoch fest zu den Zielen und Wertvorstellungen von Landesverfassung und Grundgesetz” steht.

Matthias Stübig
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Doch viele entscheiden sich trotzdem bewusst dagegen!

Aus welcher Überzeugung, nicht wählen zu gehen, ist dabei die eine Sache.
Doch es gibt auch grundlegende Faktoren, die das Nicht-Wahlverhalten in Deutschland beeinflussen.


Welche demografischen Faktoren gibt es?

Bereits das Alter von Nichtwähler:innen lässt Schlüsse ziehen. So zeigte sich unter den 21- bis 24-Jährigen mit 21,2% Nichtwähler:innen die niedrigste Wahlbeteiligung der Bundestagswahl 2025. Im Gegensatz dazu weisen traditionell die höchste Wahlbeteiligung Menschen zwischen 50 und 69 Jahren auf, denn hier beträgt der Anteil der Nichtwähler:innen nur 14,5%. Auffällig dabei: Bei jungen Menschen von 18-29 Jahren dominiert der Grund mangelndes Interesse an Politik und auch das Gefühl, nicht ausreichend informiert zu sein. Bei 45-59-Jährigen hingegen ist die Unzufriedenheit mit der Politik der meistgenannte Grund.

Da nachweislich jüngere Menschen, besonders von 18 bis 24 Jahren weniger häufig wählen gehen, bietet es sich an, besonders ihre Lebensumstände zu betrachten. Im Vergleich zu Menschen über 30 Jahren besitzen prozentual mehr junge Menschen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Nur Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft dürfen an der Wahl teilnehmen, wodurch der Anteil der Wahlberechtigten in dieser Altergruppe veringert wird.

Auch Armut ist in der Altersgruppe von 18-29-Jährigen stärker vertreten. Menschen mit geringerem Einkommen oder unischeren Lebensumständen, fühlen sich oftmals weniger repräsentiert. Zudem stehen für junge Menschen häufig alltägliche finanzielle und berufliche Herausforderungen im Vordergrund.

Nur in der Lebenszufriedenheit zeigt sich ein umgekehrtes Ergebnis. Weniger Menschen unter 30 Jahren klagen über eine niedrige Lebenszufriedenheit. Diese vielfältigen Ergebnisse lassen darauf schließen, dass trotz erkennbarer Muster, die persönlichen Gründe bei der Entscheidung nicht wählen zu gehen dominieren.

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Wie erzielt man hohe Wahlbeteiligung?

Trotz hoher Nicht-Beteiligung erreichte die Bundestagswahl 2025 die höchste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung. Das kann auch Ergebnis zahlreicher Initiativen zur Wahlbeteiligung sein.

Gerade bei einer Bundestagswahl betrifft das Wahlergebnis ganz Deutschland. Organisiert und überwacht werden die politischen Wahlen und Wahlvorbereitungen in Deutschland von der Bundeswahlleiterin, dessen Amt Ruth Brand seit 2023 besetzt:

“Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Initiativen verschiedener Institutionen und Behörden mit der Zielrichtung, dass möglichst viele Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.”

Bundeswahlleiterin

Zur Bundestagswahl 2025 wurden laut Büro der Bundeswahlleiterin über ihre Homepage, über einen WhatsApp-Kanal und weitere Social-Media Kanäle ,,die für die Wahlteilnahme relevanten Informationen bereitgestellt”.

Nicht wählen als Statement

Doch für diese Angebote muss ein Wille bestehen. Der Wille, die Politik in Deutschland mitzubestimmen.
Für Luis ist gerade das Verweigern einer Stimme ein wichtiges Statement. Er berichtet, dass viele seiner Freunde davon ausgehen, dass er mit Sicherheit die AFD wählen wird, wenn er erzählt, dass er sich von keiner Partei vertreten fühlt. Und tatsächlich sagt er selbst, dass die AFD die einzige Partei sei, die dem Volk nahe ist. Trotzdem bleibt er dabei:

“Ich habe nicht vor, die AfD zu wählen, weil ich einfach mit ein paar Sachen nicht konform gehe. Aber dasselbe habe ich auch bei den anderen Parteien, dass es da so Themen gibt, mit denen ich nicht konform gehe. Und ja, somit werde ich meine Stimme dieses Jahr einfach ungeltend machen.

Luis, 25

Mit 13% sympathisiert ein großer Teil der Nichtwähler:innen mit der AFD. Doch trotzdem bleibt der Grund, sich von keiner Partei vertreten zu fühlen der präsenteste.

Für Luis bleibt das Nichtwählen ein bewusstes politisches Statement. Seine Geschichte zeigt auch, dass hinter jeder nicht abgegebenen Stimme ein Mensch mit eigenen Erfahrungen, Zweifeln und Erwartungen steht. Doch Millionen solcher Entscheidungen prägen am Ende das Wahlergebnis.

Ausblick auf zukünftige Wahlen

Befragte und Expert:innen
  • Nichtwähler Luis (Name nachträglich geändert), 25 Jahre, aus Magdeburg. Das Interview diente dazu, persönliche Beweggründe für die Wahlenthaltung zu verstehen.
  • Team der Bundeswahlleiterin (Ruth Brand). Die Befragung gab Einblicke in Maßnahmen zur Förderung der Wahlbeteiligung.
  • Matthias Stübig (stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt). Er erläuterte, wie insbesondere junge Menschen zur Wahl motiviert werden sollen.
Quellenhinweise

Demografieportal (2025). Altersspezifische Wahlbeteiligung https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/wahlbeteiligung.html

Die Bundeswahlleiterin (2025). Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025. Heft 4. Wahlbeteiligung und Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppen
https://www.bundeswahlleiterin.de/dam/jcr/63623bc5-20fc-449f-a032-7ecd508f04ad/btw25_heft4.pdf

Infratestdimap. Presse-und Informationsamt der Bundesregierung (2025). Politische Partizipation 2025 –Nichtwähler
https://share.google/Groa49pHUVxWezA2n

Bei Fragen könnt ihr uns gern jederzeit per E-Mail kontaktieren.

Helene Bonacker: helene.bonacker@stud.h2.de
Julia Nestmann: julia.nestmann@stud.h2.de

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