Die Social-Media-Präsenz der Parteien im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt
Von Klara Burchart und Jette Minks

Der Countdown läuft – am 06. September sind Landtagswahlen
Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt rücken näher – und ganz Deutschland blickt zunehmend nach Magdeburg. Immer wichtiger wird die Frage: Welche Parteien können die Wählerinnen und Wähler überzeugen – und mit welchen Mitteln?
Während klassische Wahlkampfmittel wie Plakate, Infostände oder Fernsehauftritte weiterhin eine wichtige Rolle spielen, haben viele Parteien längst das Potenzial sozialer Medien für sich entdeckt. Insbesondere jüngere potenzielle Wählerinnen und Wähler lassen sich heute über Plattformen wie Instagram, TikTok oder X (ehemals Twitter) deutlich leichter erreichen als oftmals über traditionelle Medien.
Mit kurzen Videos, Memes, Kommentaren oder Reaction-Formaten auf politische Gegner versuchen Parteien und Kandidierende, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Reichweite zu gewinnen. Wie groß das Potenzial sozialer Medien sein kann, zeigte zuletzt etwa Heidi Reichinnek, die mit ihren Beiträgen millionenfach Menschen erreichte und insbesondere bei jungen Nutzerinnen und Nutzern bekannt wurde. Entsprechend setzen die Parteien auch im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verstärkt auf soziale Medien.
Uns interessiert: Wie erfolgreich sind die Parteien auf Social Media tatsächlich und welche Kandidatinnen und Kandidaten erzielen dabei die größte Reichweite? Und welche konkreten Strategien stecken dahinter?
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir die Social-Media-Auftritte der jeweils zehn bestplatzierten Kandidatinnen und Kandidaten auf den Landeslisten der im Landtag vertretenen Parteien untersucht. Analysiert wurden ihre Reichweiten auf Instagram, TikTok, X sowie Facebook. Dabei wird deutlich, welche Partei in den letzten Jahren am stärksten ihre Social-Media-Präsenz ausgebaut hat.
Hier erfährst du mehr zur Methodik der Datenerhebung.
Ausgangslage: So schneiden die Parteien auf Social Media ab
CDU
Alle zehn Spitzenkandidierenden der CDU sind auf TikTok aktiv. Damit sind von allen Parteien mit am stärksten auf der Plattform vertreten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Facebook: Auch hier besitzen alle zehn Kandidierende einen Account. Auffällig ist, dass damit sowohl eine eher jüngere Zielgruppe auf TikTok als auch eine tendenziell ältere Nutzerschaft auf Facebook angesprochen wird. Auf Instagram sind hingegen nur sechs der zehn Kandidierenden aktiv, auf X acht.
Die größte Reichweite auf TikTok innerhalb der CDU in Sachsen-Anhalt erzielt der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze mit mehr als 8.500 Followern. Es folgt Chris Schulenburg, der auf Listenplatz zwei der Landesliste kandidiert und auf der Plattform über 5.600 Follower verfügt.
SPD
Ähnlich wie bei der CDU verfügen auch die zehn Spitzenkandidierenden der SPD Sachsen-Anhalt jeweils über einen TikTok- und einen Facebook-Account. Die größte Reichweite auf TikTok erzielt Spitzenkandidat Dr. Armin Willingmann mit mehr als 4.000 Followern. Instagram wird von sechs der zehn Kandidierenden genutzt, während sieben auf der Plattform X vertreten sind.
AfD
Die größte mediale Reichweite hat mit Abstand Spitzenkandidat Ulrich Siegmund – mit über 645.000 Followern auf Instagram und über 375.000 Followern auf TikTok.
Aber auch andere Kandidaten (ausschließlich männliche Kandidierende) schneiden gut ab: Daniel Wald (Platz zehn) hat auf Instagram über 43.000 und Matthias Büttner (Platz sechs) 37.000 Follower.
Die hohen Reichweiten konzentrieren sich jedoch auf wenige Personen. Nur fünf der zehn Spitzenkandidierenden sind auf TikTok aktiv, sechs nutzen Instagram. Einen Facebook-Account hingegen besitzen alle zehn Kandidaten.
Bündnis 90/ Die Grünen
Alle zehn Spitzenkandidierenden der Grünen Sachsen-Anhalt verfügen über einen Instagram-Account und nutzen die Plattform aktiv. Sechs von ihnen sind zudem auf TikTok und Facebook vertreten. Auf X hingegen sind lediglich drei Kandidierende aktiv.
Die größte Reichweite innerhalb der Partei erzielt Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, die insbesondere auf Instagram und TikTok präsent ist. Olaf Meister, der auf Listenplatz zwei kandidiert, weist dagegen seine stärkste Präsenz auf X auf, wo ihm mehr als 1.800 Menschen folgen. Auffällig ist zudem die Reichweite von Wolfgang Aldag: Obwohl er auf Listenplatz sechs steht, verfügt er mit mehr als 2.200 Followern über die zweitgrößte Instagram-Reichweite innerhalb seiner Partei.
Die Linke
Ähnlich wie bei den Grünen verfügen auch alle zehn Spitzenkandidierenden der Linken Sachsen-Anhalt über einen Instagram-Account. TikTok wird hingegen lediglich von zwei Kandidierenden genutzt. Auf X und Facebook sind jeweils fünf der zehn Spitzenkandidierenden vertreten.
Die größte Reichweite innerhalb der Partei erzielt Spitzenkandidatin Eva von Angern. Ihr folgen auf Instagram mehr als 7.000 Menschen, auf TikTok verfügt sie über mehr als 4.400 Follower. Die zweithöchste Instagram-Reichweite weist Hendrik Lange mit 1.700 Followern auf, der auf Listenplatz vier kandidiert.
Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW)
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) weist im Vergleich zu den übrigen Parteien die geringste Präsenz in den sozialen Medien auf. Lediglich drei der zehn Spitzenkandidierenden verfügen über Social-Media-Accounts. Dabei handelt es sich um Spitzenkandidat Thomas Schulze, die Zweitplatzierte Dr. Claudia Wittig sowie John Lucas Dittrich.
Alle drei sind auf Instagram vertreten. Thomas Schulze und Dr. Claudia Wittig erreichen dort jeweils weniger als 2.000 Follower, während John Lucas Dittrich ca. 1.300 Follower verzeichnet.
Ulrich Siegmund und der Sonderfall AfD
Ein Blick auf die Auswertung zeigt schnell: Die AfD nimmt auf den sozialen Medien eine Sonderrolle ein.
Vor allem Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erzielt auf den untersuchten Plattformen deutlich höhere Reichweiten als die meisten anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Besonders auf TikTok und Instagram erreicht er ein großes Publikum und gehört dort zu den sichtbarsten Politikern im Landtagswahlkampf.
Siegmund, seit 2021 Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl 2026, setzt auf eine Kommunikationsstrategie, die stark auf soziale Medien ausgerichtet ist.
Seine Beiträge richten sich häufig direkt an die Nutzerinnen und Nutzer, greifen aktuelle politische Debatten auf und sind bewusst emotional sowie zugespitzt formuliert. Kurze Videobotschaften, persönliche Ansprachen und leicht verständliche Botschaften sorgen für eine hohe Interaktion und Reichweite.
Diese Form der politischen Kommunikation passt zu den Mechanismen sozialer Netzwerke: Inhalte, die emotionalisieren, polarisieren und eine direkte Verbindung zum Publikum herstellen, werden von den Plattformen häufig stärker verbreitet.
Die hohe Sichtbarkeit der AfD auf Social Media ist daher nicht allein auf die Zahl der Follower zurückzuführen, sondern auch auf eine Kommunikationsstrategie, die gezielt auf die Logik der Plattformen zugeschnitten ist.
Das sagt die AfD
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei anderen AfD-Kandidaten. Daniel Wald, AfD-Landtagsabgeordneter und Kandidat für die Landtagswahl 2026, beschreibt Social Media auf Nachfrage vor allem als Möglichkeit, politische Arbeit direkt und ohne Umwege zu vermitteln. Er wolle „die Bürger möglichst direkt und zeitnah über meine politische Arbeit informieren“ und zugleich „Einblicke in meinen politischen Alltag geben“. Dabei setze er auf regelmäßige Beiträge zu seiner parlamentarischen Arbeit, Terminen im Wahlkreis und aktuellen politischen Themen. „Dabei lege ich Wert auf Kontinuität und Authentizität“, so Wald.
Auch den Einfluss des Wahlkampfs auf die Reichweite seiner Inhalte nimmt Wald wahr: „In Wahlkampfzeiten ist das Interesse an politischen Themen erfahrungsgemäß größer.“ Das zeige sich auch bei „Reichweite, Interaktionen und Rückmeldungen“.
Für Wald liegt eine besondere Stärke sozialer Medien in der direkten Kommunikation: „Informationen können schnell verbreitet werden, und Bürger haben die Möglichkeit, direkt zu reagieren oder Fragen zu stellen.“ Über seine Social-Media-Kanäle folgten seinen Inhalten inzwischen „deutlich über 70.000 Menschen“.
Das Beispiel Daniel Wald zeigt damit, dass die starke Präsenz der AfD nicht allein auf einzelne reichweitenstarke Spitzenpolitiker wie Siegmund beschränkt ist. Social Media ist für mehrere AfD-Kandidaten zu einem zentralen Kanal geworden, um politische Inhalte kontinuierlich zu verbreiten, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und den direkten Kontakt mit potenziellen Wählerinnen und Wählern herzustellen.
„In Wahlkampfzeiten ist das Interesse an politischen Themen erfahrungsgemäß größer.“
Daniel Wald (AfD), MdL
Das „Manifest 2017“ der AfD
Verbirgt sich hinter dieser Direktheit und Nahbarkeit eine gut ausgearbeitete Strategie? Eine klare Antwort auf diese Frage haben wir auf Anfrage nicht von der AfD Fraktion Sachsen-Anhalt erhalten. Allerdings wurde 2017 ein vertrauliches Strategiepapier der AfD unter dem Namen “Manifest 2017” aufgedeckt und publiziert, das die Strategie in der politischen Kommunikation der AfD festhält und somit einige Hinweise zu ihrem strategischen Wahlkampf in den sozialen Medien enthält. Zu den genannten Zielsetzungen gehören unter anderem:

- „Die AfD muss – selbstverständlich im Rahmen und unter Betonung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Landes – ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt sein, zu klaren Worten greifen und auch vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückschrecken“ (“Manifest 2017”, S.10).
- „Je mehr sie versuchen, die AfD wegen provokanter Worte oder Aktionen zu stigmatisieren, desto positiver ist das für das Profil der AfD“ (S.19).
- „Die stete Wiederholung dessen, wofür man bereits bekannt ist, bringt mehr Erfolg, als immer wieder Neues zu bringen. Konzentration auf Eingängiges geht vor Vollständigkeit, harte und provokante Slogans sind wichtiger, als lange, um Differenzierung bemühte Sätze, die es allen recht machen wollen” (S.9).
- Unter der Überschrift “Maßnahmen, die sich bewiesen haben”, wird das “verstärkte Ausweichen auf Online-Medien“ aufgeführt (S.19).
Ein Blick auf die Ergebnisse unserer Auswertung zeigt: Was im „Manifest 2017“ als Strategie formuliert wurde, passt auffällig gut zur heutigen Präsenz der AfD in den sozialen Medien. Klare Botschaften, bewusste Provokation und die Konzentration auf wiedererkennbare Inhalte – all das sind Prinzipien, die in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit erzeugen können. Die AfD gehört dort zu den sichtbarsten Parteien und stellt mit Ulrich Siegmund den reichweitenstärksten Kandidaten der Auswertung. Ob die heutigen Social-Media-Auftritte direkt auf das Strategiepapier zurückgehen, lässt sich nicht belegen. Die Parallelen zwischen dem damaligen Kommunikationskonzept und der heutigen digitalen Präsenz sind jedoch auffällig.
Wer sind die Social-Media-Stars im Wahlkampf?
Wer erreicht die meisten Menschen in den sozialen Netzwerken? Für unser Ranking haben wir die Social-Media-Präsenz der jeweils zehn bestplatzierten Kandidatinnen und Kandidaten der Landeslisten aller im Landtag vertretenen Parteien ausgewertet. Berücksichtigt wurden die Followerzahlen auf Instagram. Das Ergebnis zeigt, welche Politikerinnen und Politiker den Wahlkampf auch digital prägen – und wer unabhängig von seiner Listenplatzierung eine große Reichweite erzielt.
Wenig überraschend belegt Ulrich Siegmund in beiden Rankings den ersten Platz. Seine Reichweite wächst dabei kontinuierlich: Am 21. Mai zählte er auf Instagram noch rund 375.000 Follower, knapp zwei Monate später sind es bereits 448.000. Das entspricht einem Zuwachs von 19,47 Prozent.
Auf Platz zwei folgt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) mit mehr als 8.500 Followern. Auch er konnte seine Reichweite zwar im Vergleich zum Erhebungszeitpunkt am 21. Mai etwas ausbauen, allerdings wurde er von Linken-Spitzenpolitikerin Eva von Angern überholt. Von Angern verzeichnete im ersten Ranking noch 7.063 Follower, zwei Monate später liegt sie bei einer Followerzahl von 11.000. Dahinter liegt in beiden Rankings Susan Sziborra-Seidlitz (Grünen) mit 7.123 und später mit 8.576 Follower. Die Zwischenbilanz: Die ersten vier Plätze des Rankings werden ausschließlich von Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten ihrer Parteien belegt.
Die SPD ist mit ihrem Spitzenkandidaten Dr. Armin Willingmann nur einmal im Ranking vertreten. Mit mehr als 4.000 Follower auf Instagram belegt er Rang sechs. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) taucht in beiden Rankings hingegen gar nicht auf.
Eine Ausnahme vom sonst erkennbaren Muster bildet Daniel Wald (AfD). Obwohl er auf der Landesliste seiner Partei lediglich auf Platz zehn kandidiert, erreichte er im Ranking vom 21. Mai mit mehr als 3.500 Instagram-Followern den siebten Platz. Damit verfügt er über eine größere Reichweite als sein Parteikollege Oliver Kirchner (AfD), der auf Listenplatz zwei steht, im Ranking jedoch knapp hinter Wald auf Rang acht folgt. Diesen Erfolg konnte Wald sogar noch weiter ausbauen: Im zweiten Ranking erreicht er mit über 5.500 Follower Rang fünf und befindet sich nun vor SPD-Spitzenkandidat Willingmann. Im direkten Vergleich fällt auf, dass Wald deutlich erfolgreicher auf TikTok ist als auf Instagram: Mit 43.900 Follower auf TikTok verzeichnet er nach Siegmund auf der Plattform die größte Reichweite von allen Kandidatinnen und Kandidaten in Sachsen-Anhalt.
Von den Grünen sind Wolfgang Aldag (Listenplatz 6) und Madeleine Linke (Listenplatz 3) im Ranking vertreten. Sie belegen im zweiten Ranking Platz sieben und acht und verzeichnen jeweils über 2.000 Follower.
Insgesamt zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Listenplatz und digitaler Reichweite. Kandidatinnen und Kandidaten, die auf den Landeslisten ihrer Parteien weit oben stehen, verfügen in der Regel auch über die größte Präsenz in den sozialen Netzwerken. Daniel Wald bildet hierbei die auffälligste Ausnahme.
Warum setzen Parteien im Wahlkampf auf Social Media?
Bislang stand vor allem der Social-Media-Wahlkampf der AfD im Mittelpunkt unseres Beitrags. Daniel Wald hat einen Einblick in die Strategie der Partei und seinen persönlichen Umgang mit den sozialen Medien gegeben.
Doch wie sieht das bei den anderen Parteien aus? Welche Ziele verfolgen sie im Wahlkampf auf Social Media, und mit welchen Strategien wollen sie potenzielle Wählerinnen und Wähler erreichen?
Eva von Angern, Spitzenkandidatin der Linken, setzt bei ihrer Social-Media-Strategie auf verständliche Kommunikation und den direkten Austausch mit Nutzerinnen und Nutzern, statt ausschließlich politische Botschaften zu verbreiten. Politik soll mithilfe von Fotos, Videos, Memes und weiteren Formaten nahbar, authentisch und leicht zugänglich vermittelt werden.
Im Fokus stehen dabei insbesondere junge Menschen. Gleichzeitig sollen ältere Zielgruppen nicht aus dem Blick geraten. Klassische Wahlkampfmaßnahmen wie Haustürwahlkämpfe, Veranstaltungen, Pressearbeit und Plakatkampagnen bleiben daher ein fester Bestandteil der Wahlkampfstrategie.
Inhaltlich konzentriert sich die Kommunikation der Linken laut von Angern auf die Themen soziale Gerechtigkeit, Frieden, Gleichstellung und Antifaschismus. „Die Strategie versteht sich als Gegenangebot zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Narrativen in sozialen Medien“, erklärt die Spitzenkandidatin.
„Die Strategie versteht sich als Gegenangebot zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Narrativen in sozialen Medien.“
Eva von Angern, Die Linke
Auf ihrem TikTok-Kanal veröffentlicht von Angern unterschiedliche Formate. Dazu zählen Ausschnitte aus Landtagsreden, politische Appelle an Wählerinnen und Wähler, Einblicke in den Wahlkampf der Linken in Sachsen-Anhalt sowie Beiträge mit prominenten Parteikolleginnen und -kollegen wie Heidi Reichinnek und Gregor Gysi. Auch humorvolle Inhalte finden regelmäßig Platz im Feed.
Inhaltlich zeichnet der Kanal von der Linken-Politikerin häufig ein positives Zukunftsbild: Die Botschaft lautet, dass eine Stimme für die Linke zu mehr sozialer Gerechtigkeit und einer lebenswerten Zukunft beitragen könne. Zugleich wird die Bedeutung von Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt betont. Dies spiegelt sich in Slogans wie „Heimat ist für alle da“ oder „Niemals allein, immer gemeinsam“ wider.
Susan Sziborra-Seidlitz, Spitzenkandidatin der Grünen, setzt bei ihrem Social-Media-Auftritt auf authentische Einblicke in ihren politischen Alltag, aktuelle Trends und eine emotionale Vermittlung politischer Themen. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Strategie ist dabei die persönliche Nähe zu den Nutzerinnen und Nutzern. So beantwortet sie den Großteil der Direktnachrichten selbst und verschafft sich regelmäßig einen Überblick über die Kommentare. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte legt sie eigenständig fest – stets mit Blick auf die aktuelle Landespolitik. Gemeinsam mit ihrem Team werden diese anschließend plattformgerecht aufbereitet und an die jeweiligen Formate angepasst.
Das Ziel ihres Auftritts beschreibt die Spitzenpolitikerin wie folgt: „Wir erhoffen uns von unserem Auftritt genau das, was gerade schon passiert: Menschen können sich mit unseren geteilten Inhalten identifizieren, teilen sie mit Freund*innen und vergrößern dadurch die Reichweite für progressive, grüne Politik.“ Mit ihren Inhalten möchte Sziborra-Seidlitz insbesondere junge Menschen, progressive Frauen sowie die LGBTQIA+-Community erreichen. Im Mittelpunkt steht der Anspruch, gesellschaftliche Gruppen sichtbar zu machen und anzusprechen, die ihrer Ansicht nach häufig zu wenig repräsentiert werden.
„Wir merken, dass die sozialen Medien mit rechten Narrativen geflutet werden. Uns ist es wichtig, dagegen zu halten.“
Susan Sziborra-Seidlitz, Die Grünen
Auf die Frage, ob angesichts der großen Reichweite von Ulrich Siegmund in den sozialen Medien Aufholbedarf bestehe, antwortet Sziborra-Seidlitz eindeutig: Solange Siegmund mehr Follower habe als die demokratischen Parteien in Sachsen-Anhalt, gebe es Handlungsbedarf. „Wir merken, dass die sozialen Medien mit rechten Narrativen geflutet werden. Uns ist es wichtig, dagegen zu halten“, erklärt sie.
Gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie nach eigenen Angaben täglich daran, dieses Ziel zu erreichen. Die veröffentlichten Inhalte seien sorgfältig geplant und auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt. Gleichzeitig betont Sziborra-Seidlitz, dass ihre Wählerschaft sich nicht von einfachen, kurzfristigen Lösungsversprechen überzeugen lasse, die medienwirksam präsentiert werden. Dennoch sei ihr Team offen für neue Ideen und die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Social-Media-Strategie.
Fazit
Listenplätze entscheiden also nicht allein darüber, wer im digitalen Wahlkampf sichtbar wird. Zwar dominieren die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten die vorderen Plätze des Rankings, einzelne Ausnahmen wie Daniel Wald zeigen jedoch, dass sich politische Reichweite auch abseits der Parteispitzen aufbauen lässt. Besonders deutlich wird die Sonderrolle der AfD: Mit Ulrich Siegmund stellt sie den mit Abstand reichweitenstärksten Kandidaten.
Welche Parteien die Wählerinnen und Wähler auf Social Media tatsächlich überzeugen können, lässt sich dabei nicht allein an Followerzahlen ablesen. Die Auswertung zeigt jedoch deutliche Unterschiede in der digitalen Sichtbarkeit. Vor allem die AfD erreicht mit ihren Kandidatinnen und Kandidaten eine besonders große Reichweite. Erfolgreich sind dabei vor allem diejenigen, die regelmäßig präsent sind, die Besonderheiten der jeweiligen Plattform nutzen und politische Inhalte in einer für soziale Medien geeigneten Sprache vermitteln.
Der Wahlkampf findet damit längst nicht mehr nur auf Plakaten, an Infoständen oder im Fernsehen statt. Wer Wählerinnen und Wähler erreichen will, muss auch in deren Feeds präsent sein. Die größte Reichweite entsteht dabei nicht automatisch durch den höchsten Listenplatz, sondern durch eine Kombination aus Bekanntheit, konsequenter Social-Media-Präsenz und einer Strategie, die auf die Logik der Plattformen zugeschnitten ist. Social Media ersetzt den klassischen Wahlkampf damit nicht – es verändert aber zunehmend, wer sichtbar wird und welche politischen Botschaften ein großes Publikum erreichen.
Am 21. Mai 2026 wurden die Followerzahlen der zehn Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien (CDU, SPD, AfD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und BSW) auf den Plattformen Instagram, TikTok, X (ehemals Twitter) und Facebook in einer gemeinsamen Excel-Tabelle erfasst. Auf Grundlage dieser Datenerhebung konnten die zehn Kandidatinnen und Kandidaten mit der höchsten Reichweite auf Instagram identifiziert werden (siehe Kandidaten-Ranking).
Um mögliche Entwicklungstendenzen zu analysieren, wurden die Followerzahlen dieser Top-10 Kandidatinnen und Kandidaten am 21. Juli 2026, also zwei Monate nach der ersten Erhebung, erneut erhoben. Ziel war es, die Entwicklung der Followerzahlen innerhalb des zweimonatigen Untersuchungszeitraums zu vergleichen und Unterschiede im Reichweitenwachstum der einzelnen Kandidierenden herauszuarbeiten.
Um darüber hinaus ein vertieftes Verständnis der Social-Media-Strategien der Parteien zu gewinnen, wurden die Parteien CDU, SPD, AfD, Die Grünen und Die Linke schriftlich kontaktiert. Antworten haben wir von Parteimitgliedern der AfD, der Grünen und der Linken erhalten.
Über uns
Jette Minks studiert seit 2022 an der Hochschule Magdeburg-Stendal Journalismus und hat sich auf Politik und internationale Konflikte spezialisiert. Die gebürtige Magdeburgerin arbeitete bereits an Journalismus-Projekten in Deutschland, Spanien und den USA. Erreichbar ist sie unter jette.minks@stud.h2.de.
Klara Burchart studiert im zweiten Semester Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal, kommt ursprünglich aber aus Berlin. Erste journalistische Erfahrungen konnte sie bereits im Bereich Printjournalismus sammeln. Bei Fragen oder Anmerkungen ist sie unter klara.burchart@stud.h2.de zu erreichen.
Quellen
Interviews mit folgenden Kandidierenden: Susan Sziborra-Seidlitz, Eva von Angern und Daniel Wald
Enthüllt vertrauliches Papier die Wahlstrategie der AfD? (2017, 24. September). Merkur.de. Abgerufen am 16. Juli 2026, von https://www.merkur.de/politik/afd-wahlprogramm-2017-parteiprogramm-und-wahlstrategie-alternative-fuer-deutschland-zr-7403867.html.